Mittwoch, 2. Oktober 2013

Vortrag Pferdefütterung mit Dr. rer. nat. Christina Fritz

Ich konnte Frau Dr. Christina Fritz für einen Fütterungsvortrag gewinnen. Sie ist die Autorin des Buches "Pferde fit füttern". Ich habe den Vortrag bereits im letzten Jahr gehört und kann ihn sehr empfehlen. Es geht hier nicht um Rationsberechnung usw. sondern wirklich ums "Eingemachte".



Vortrag: Pferde richtig füttern
mit Dr. rer. nat. Christina Fritz


Christina Fritz ist promovierte Naturwissenschaftlerin. Sie ist Biologin mit Schwerpunkt Tierphysiologie, unabhängige Fütterungsexpertin, Pferdekinesiologin und -osteopathin und beschäftigt sich intensiv mit alternativen Gesundheitskonzepten und Stoffwechselkrankheiten bei Pferden. 

Autorin des Buches: «Pferde fit Füttern» siehe Bild links




Liebe(r) Pferdefreund / In!
Bei der Verdauung unserer Pferde gibt es einige Besonderheiten, die sich von anderen Säugetieren –inklusive uns Menschen –drastisch unterscheiden.
Nur ein richtig gefüttertes Pferd kann gesund bleiben und dem Menschen seine Leistungsbereitschaft anbieten.
Zum Beispiel haben Pferde keine Gallenblase -oder -Pferde produzieren Vitamin C im Gegensatz zu Menschen selber. Schon diese Unterschiede haben große Auswirkungen auf die Fütterung und das Wohlbefinden unserer Pferde.
Nur ein richtig gefüttertes Pferd kann gesund bleiben und dem Menschen seine Leistungsbereitschaft anbieten.

Themen des Seminars:
In diesem Seminar bekommst du fundierte Antworten über Vor- und Nachteile verschiedener Futtermittel, was du wann problemlos füttern kannst oder was keinesfalls in die Futterkrippe gehört:

·          Verdauungsapparat des Pferdes
·          Besonderheiten Pferd in Bezug auf Fütterung
·          Do's and don'ts der Pferdefütterung

Müsli oder Pellets? Oder doch Hafer -oder eher Gerste? Aber Hafer «sticht doch? Und muss ich jetzt noch Mineral dazu geben oder nicht?» - All das sind Fragen, die jeden Pferdehalter immer wieder beschäftigen. Wie füttere ich mein Pferd optimal bezogen auf seine Rasse, sein Alter und seine Arbeitsanforderungen?

Weitere Themen:
·          Welche Gefahren verbergen sich hinter Bananenfütterung?
·          Einsatz von EM-A und Bokashi
·          Grasbäuche, "Was passiert, wenn man Robustpferden und Arabern Hafer füttert"
·          Was passiert, wenn ich zu viel oder zu wenig Kraftfutter füttere?
·          Warum nur wenige Karotten / Äpfel geben
·          Warum verursacht Brotfütterung Magenentzündungen
·          Was bedeuten Hungerpausen von mehr als 4 Stunden für ein Pferd
·          Was sind die Anzeichen bzw. Krankheiten die durch falsche Fütterung entstehen
·          Warum kommen Krankheiten oft erst nach Jahren falscher Fütterung zum Vorschein und vieles, vieles mehr.

Der Vortrag richtet sich an alle Pferdehalter und Reiter, sowie an Stallbetreiber, Hufschmiede, Tierärzte und Therapeuten, die ihr Wissen über Pferdefütterung erweitern wollen.
Nach dem Vortrag steht Dr. Christina Fritz für Fragen zur Verfügung, wenn diese noch nicht beantwortet wurden.

 
Datum
Mittwoch, 06. November 2013

Uhrzeit:
18:00 Uhr

Dauer
3 bis 4 Stunden mit anschliessender Diskussion/Fragen (Powerpoint)

Ort:
Landgasthaus Karze, 21354 Bleckede OT Karze, Am Rotdorn 2, Tel. 05852/2612
Wer Essen möchte, der kann auch früher kommen. Die haben bisher immer eine recht gute Küche gehabt.http://www.landgasthof-karze.de

Kosten:
25,00 €inkl. Skript

Mitbringen:
event. Schreibzeug, Papier, Futterdeklarationen

Teilnehmerzahl :
mind. 20 Personen

Anmeldung : Keine Anmeldung mehr möglich!
per Email an Marion Wiesmann

Email:

Bei der Anmeldung bitte alle Namen, Vorname E-Mails, von Dir verbindlich angemeldeter Personen angeben.
Die Plätze sind beschränkt und werden nach Eingang behandelt

Bitte melde Dich nur zum Vortrag an, wenn Du auch wirklich Zeit hast und kommen wirst -DANKE!

Ihr könnt mir gerne in der Email schreiben, wenn ich euch die Ausschreibung als Datei mailen soll. Dann könnt ihr sie in eurem Stall aufhängen.

Montag, 19. August 2013

Das trageerschöpfte Pferd

Heute möchte ich euch einmal das "trageerschöpfte" Pferd vorstellen.

Die Trageerschöpfung ist ein physiologischer Zustand der Körpers unseres Pferdes. Früher eher unbekannt, gewinnt dieser Zustand an zunehmender Bedeutung in der heutigen Welt. Dabei ist es unabhängig davon, in welcher Reitweise oder in welcher Disziplin das Pferd trainiert und genutzt wird. Die Trageerschöpfung zieht sich vom Sportreiter bis über den anspruchsvollen Freizeitreiter, Fahrer und den Wald- und Wiesen Ausreitfreund. Die Ursache liegt immer in der Nutzung des Pferdes und den äußeren Einflüssen. Schuld ist dabei wieder einmal mehr der Mensch mit seiner Unwissenheit und Dummheit. Bei Pferdeuntersuchungen bin ich schon häufig auf Pferden mit Symptomen der Trageschöpfung gestossen.

Ursachen
Die Trageerschöpfung kommt nicht von heute auf morgen. Sie ist ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum anbahnt. Häufig werden die ersten Anzeichen nicht erkannt. Der Körper hilft sich zu Beginn noch selbst und kompensiert die Probleme.

Häufige Ursachen für eine Trageerschöpfung sind z.B.:
  • zu langes Reiten bei ungenügendem Trainingszustand (z. B. auch nach Pausen wie Krankheit oder Urlaub des Reiters)
  • zu schwerer Reiter
  • zu starke Belastung bei ungenügendem Trainingszustand (z. B. viel Springen, wenn das Pferd es nicht gewohnt ist, weil man plötzlich für eine Springprüfung vorbereiten muss)
  • unpassende Ausrüstung
  • Schmerzen, die länger andauern oder sehr häufig sind z. B. bei wiederkehrender Hufrehe
  • zu viel "auf der Bremse" getreten - ständiger Zügelzug, kein oder wenig frischer Galopp
  • Sitzfehler
  • fehlende Korrektur von Gleichgewichtsproblemen, natürliche Schiefe usw.
  • Fehler im Management (Hufe, Haltung (auch Offenstall!!!!), Fütterung usw.)
  • Betriebsblindheit beim Menschen: der nicht in der Lage ist, Anzeichen für Schmerzäußerung zu erkennen und lieber die Zickigkeit und Unwilligkeit des Pferdes dafür verantwortlich macht. Auch das Annehmen von "Hilfe" bei anderen mit Halbwissen herumlaufenden Pferdemenschen unterstützen das ganze Problem noch zusätzlich. Und auch das rigorose Ablehnen von theoretischen Wissen, was so mancher Pferdemensch für sich beherzigt, ist ein wichtiger Faktor.
  • äußere Einflüsse wie z. B. Stürze mit einhergehenden u. a. muskulären Veränderungen
Und noch viele mehr!

Die Symptome

Wie schon erwähnt, beginnt die Trageerschöpfung schleichend. Die ersten Anzeichen sind oft:

  • Kuhlen hinter dem Widerrist in der Sattellage
  • ein abgesackter Brustkorb
  • aufgewölbte Lendenwirbelsäule - wie Karpenfrücken
  • Kuhle am Kreuzbein
  • unterhalb vom Brustkorb ist auf beiden Seiten ein harter Strang zu erfühlen, die verspannte Bauchmuskulatur. Ist euer Pferd vielleicht "kitzelig"? Oder tut es in Wirklichkeit so weh, dass es deshalb die Ohren anlegt.......
  • verstärkte Muskulatur an der Vorhand, diese trägt mehr Last
  • die "Hosenmuskulatur" links und rechts neben der Schweifrübe, an den Hinterbeinen entlang, ist dicker und auffälliger. Sie sind häufig total verhärtet.
Auffälligkeiten beim Reiten

Natürlich merkt man auch in der Bewegung, dass etwas nicht stimmt.
  • stolpern
  • lustlose Bewegungen. Häufig passen die Grundgangarten in der Qualität nicht zum Exterieur.
  • schwere Atmung, Kurzatmigkeit, häufiges Husten besonders im Trab und Galopp
  • keine oder verminderte Schub- und Tragkraft
  • Pferd läuft bergab
  • Schwierigkeiten in der Biegung und Dehnungshaltung 
Das sind nur einige Anzeichen, die wir im Anfangsstadium wahrnehmen können.


deutlich zu erkennen: Aufgewölbte Lendenwirbelsäule, stämmige Vorhand, abgesackter Brustkorb

Was kann man dagegen tun?

In aller erster Linie muss die Ursache möglichst sofort abgestellt werden. Natürlich kann ein Reiter nicht von heute auf morgen 20 kg abnehmen, wenn er zu schwer für sein Pony ist. Aber man kann dann zumindest das Reiten solange einstellen. Was auch für alle anderen Ursacher zuerst gilt. Das Pferd ist in diesem Zustand nicht mehr in der Lage, den Reiter zu tragen! Alles andere lässt sich schnell ändern. Eventuell muss der Reiter auf einigen Komfort verzichten wie z. B. den Stall um die Ecke oder den bequemen Westernsattel, wenn dieser aber viel zu lang oder zu eng ist. Dann braucht ihr fundierte professionelle Hilfe beim Wiederaufbau des Trainings und entsprechenden Behandlungen. Bitte nicht die Ritsch-Ratsch Knochenbrecher zur Hilfe herbeiziehen. Wer nicht weiß warum, liest bitte noch einmal den Beitrag über das Nervensystem. Achtet aber bei der Auswahl der Fachleute darauf, dass diese sich wirklich damit auskennen. Nicht jeder Trainer oder Gesundheitsspezialist weiß, was eine Trageerschöpfung ist. Reiten ist da eh erst einmal nicht angesagt. Die Blockierungen müssen gelockert werden, die Muskulatur wieder korrekt arbeiten und aufgebaut werden. Ein fundierter Trainingsplan für die nächsten Monate muss entwickelt werden. Das Management (Hufe, Haltung usw) muss optimiert werden.

Alternativen???
Ja gibt es: Ein neues Pferd kaufen und das kaputte an einen Fachmann oder Pferdefreund verschenken.


Mittwoch, 19. Juni 2013

Kurs in 29392 Wesendorf

Kurs in 29392 Wesendorf, Hof Immenknick

06. und 07. Juli mit mir

noch 2 Plätze frei

Angebot: Reiten, Doppellonge und Langzügel
Theorie: Biomechanik der Wirbelsäule

Bei Interesse bitte Mail an: ecuyer99@aol.com
Ich schicke dann die Unterlagen zu.

Trainingsbedingte Lahmheiten

Bei immer wiederkehrenden Lahmheiten sollte der Reiter hellhörig werden. Trainingsbedingte Lahmheiten entstehen z. B. bei:
  • ungenügendem Aufwärmen
  • Tempo ist nicht dem Gleichgewicht angepasst - natürliche Schiefe (!)
  • Überlastung der Muskulatur
Die unangenehmen Kräfte, die auf den Pferdekörper einwirken und zu Lahmheiten führen können sind hauptsächlich die Fliehkraft und die Scherkraft. Besonders beim Reiten auf gebogenen Linien oder Longieren kommen diese Kräfte bei einem unausbalanciertem Pferd negativ zum Tragen. Je höher dabei das Tempo bzw. die Gangart, desto schlimmer.

Fliehkraft
Sie wird auch Schwungkraft oder Zentrifugalkraft genannt. Sie beruht auf die Trägheit der Masse und ist nach aussen gerichtet. Das bedeutet, die Masse des Körpers wird nach aussen der bewegten Linie gezogen. Die Kraft wird senkrecht zur bewegten Linie gerichtet. Senkrecht ist ja inzwischen bekannt, bedeutet im rechten Winkel zu einer Linie. Für das Pferd macht sich diese Kraft hauptsächlich beim Longieren auf gebogenen Linien bemerkbar. Je höher dabei das Tempo, desto höher die Fliehkraft.

Scherkraft
Die Scherkraft ist die Verformung eines Körpers unter Einwirkung einer Kraft. Die Scherachse wird durch eine verkürzte Muskulatur fixiert. Das Pferd dreht sich mit der Hinterhand um das Stützbein der Vorhand herum. Das Bein der Vorhand wird dabei den Scherkräften ausgesetzt. Die Gelenke verdrehen sich ineinander.


Um zu verstehen, warum überlastete Muskeln zu Lahmheiten und Sehnenproblemen führen können muss man Wissen, dass ein Muskel immer mit einer Sehne an den Knochen ansetzt. Im Bereich der Gliedmaßen sind diese Endsehnen sehr lang. Die Muskeln reichen lediglich bis zum Karpalgelenk (Vorderfusswurzelgelenk) und Tarsalgelenk (Sprunggelenk). Von da an abwärts gehen die langen Sehnen an die entsprechenden Knochen. Ihr kennt die Sehnen z.B. als oberflächliche oder tiefe Beugesehnen.

Läuft das Pferd nun immer wieder mit einer verspannten Muskulatur, dann kann diese bei Unebenheiten oder anderen zusätzlichen Belastungen nicht mehr genug nachgeben. Die Belastung geht dann, vereinfacht gesagt, direkt auf die Sehne. Sehnen sind aber längst nicht so dehnbar wie Muskeln. In diesen Sehnen befinden sich wiederum viele Rezeptoren, die Reize an die Nerven melden. Kommt es zu einer immer wiederkehrenden Reizung oder Belastung, dann entzündet sich die Sehne oder die Sehnenscheide. Wird die Ursache nicht erkannt, z.B. ständiges Longieren in überhöhtem Tempo auf dem Kreis, dann bilden sich chronische Lahmheiten.

Pferde, die nicht richtig ausbalanciert sind und noch Probleme mit ihrer natürlichen Schiefe haben, sind hier besonders betroffen.

Eine genügend lange Aufwärmzeit mit vielen gebogenen Linien ist für die richtige Funktion der Gelenke besonders wichtig. Hier sollte je nach Alter, Haltungsbedingungen, Trainingszustand usw. mindestens 15 Minuten Schrittarbeit vorweg sein.

Zeigen Pferde also immer wieder aufkommende Lahmheiten, dann sollte der Reiter das Training einmal genau unter die Lupe nehmen. Bei jungen und unausbalancierten Pferden muss zu Beginn auf ein ruhiges Tempo auf großen Linien geachtet werden. Dabei sollte der gesamte Platz genutzt werden und auch an der Longe zwischen geraden und gebogenen Linien gewechselt werden. Die Balance lernt das Pferd am besten durch eine ständige Veränderung und nicht durch kilometerlanges Laufen auf dem Kreis. Der Reiter ist verpflichtet, aktiv das Ausbalancieren zu unterstützen. An der Longe kann man sehr gut die Schultern nach aussen schicken. Unter dem Sattel könnt ihr den angelegten und den seitwärts weisenden Zügel nutzen.

Freitag, 10. Mai 2013

Hufbalance

Die korrekte Balance des Hufes ist bedeutungsvoll für das gesamte Pferd. Der Spruch "Ohne Huf kein Pferd" ist nicht nur dahingesagt worden sondern ist eine ernstzunehmende Aussage. Die korrekte Balance eines Hufes läßt sich an einfachen Linien feststellen. Es gibt 2 wichtige Linien:

1. mediolaterale Balance
Die Stellung der Innen- und Ausßenseite des Hufes von vorne betrachtet. Zu allererst achtet man darauf, dass alle Gelenke in einer Höhe sind. Dabei muss das Pferd auf ebenen Boden stehen. Dann zieht man eine gedachte parallele Linie zum Boden auf Höhe folgender Gelenke: Vorderfußwurzelgelenk, Fesselgelenk. Eine weitere parallele Linie zum Boden soll zur tragenden Fußungsfläche des Hufes im rechten Winkel (90°) stehen. Eine weitere Linie ist die Senkrechte durch die Mitte des Röhrbeins, des Fesselgelenk und Vorderfußwurzelgelenk. Diese Linie soll die Mitte der Hufkapsel genau treffen. Häufig findet man hier eine steilere und eine breitere Hufwand. Diese sind ein Zeichen von ungleicher Belastung. Die steilere Hufwand hat mehr Druck. Erkrankungen, die durch eine fehlerhafte mediolaterale Balance entstehen sind z.B. Gelenkerkrankungen, Chipfrakturen der Gelenke und Brücke der Sesambeine sowie Entzündungen im Gewebe. Die unteren Gelenke sind sog. Scharniergelenke. Eine falsche mediolaterale Balance verhindert die gleichmäßige Beweglichkeit dieser Gelenke. Sie gleiten nicht mehr richtig ineinander. Es gibt meist einseitig mehr Druck und somit frühzeitigen Verschleiß.

2. dorsopalmare Hufbalance- Huf-Fesselachse
Die Stellung des Hufes wird von der Seite betrachtet. Eine gedachte diagonale Linie durch den Drehpunkt von Fessel-, Kron- und Hufgelenk soll gerade verlaufen. Sie führt direkt durch die Mitte der Gelenke. Eine senkrechte gedachte Linie vom Drehpunkt des Fesselgelenk soll den hinteren tragenden Teil der Trachten berühren. Wo diese Linie auf den Boden fällt, soll der Huf am Boden enden. Eine weitere senkrechte Linie geht vom Drehpunkt des Hufgelenk zur Mitte der Fußungsfläche des Hufes. Die Hufvorderwand und die hintere Trachtenwand muss parallel sein.
Um diese Balanceachse festzustellen muss das Pferd auf allen Hufen gleichmäßig stehen. Der Untergrund muss eben sein. Ihr müßt die tatsächlichen Drehpunkte finden. Ihr streicht beim Fesselgelenk mit den Fingern am breitesten Teil des Röhrbein nach unten runter. Jeweils mit einem Finger innen und mit einem außen.. Wenn ihr das Gelenk der Fessel habt, also da, wo die Knochen das tatsächliche Gelenk bilden, habt ihr den Drehpunkt vom Fesselgelenk. Das Hufbein sitzt leider in der Hufkapsel und kann nicht ertastet werden. Diese Hufbalancelinien sind häufig nicht korrekt.

Quelle: Hufbalance . Williams, Deacon

Auswirkungen
Häufig findet man zu flache Trachten in Verbindung mit langen Zehen. Warum auch immer das nicht von den Schmieden korrigiert wird?

Wenn die Trachten nicht in der korrekten Position sind, dann verliert das Pferd das Gleichgewicht. Es muss sich anders hinstellen und verändert durch das geänderte Abrollen auch sein Gangbild. Durch das veränderte Stehen bekommt das Pferd massive Probleme in der Muskulatur und des Sehnen. Die Trachten können ihre Funktion nicht erfüllen und stützen die Fessel nicht mehr von unten. Schäden an den Beugesehnen sind die Folgen. Wird die Ursache der falschen Hufbalance dabei nicht wahrgenommen, bleibt eine ständige Lahmheit als Folge. Weiter kompensiert die Muskulatur die Auswirkungen bis in den Rücken hinein. Auf der folgenden Zeichungen könnt ihr die Spannungszustände der Kompensation erkennen. In Pfeilrichtung muss der Körper gegenziehen.
Quelle: Hufbalance - Williams und Deacon
Lange Zehe und niedrige Trachten



Wenn ihr also immer wiederkehrende Lahmheiten bei euren Pferden habt oder die Bewegung ungewöhnlich ist und nicht zum guten Exterieur paßt, dann macht euch doch mal ein Bild von den Hufbalance eures Pferdes.

Für alle, die sich gerne näher Informieren möchten empfehle ich das Buch "Hufbalance" von Gail Williams und Martin Deacon aus dem Cadmos Verlag. ISBN 978-383031009-3

Dienstag, 19. März 2013

Der Schultergürtel

Die Vorderbeine des Pferdes sind nicht wie bei uns über einen Knochen (Schlüsselbein) am Rumpf befestigt. Das Schulterblatt liegt neben dem Pferdekörper. Die Befestigung wird durch Muskeln, Sehnen und Bänder erledigt. Der Rumpf ist wie eine Art Hängematte zwischen Schultern und Oberarm eingebettet. Diese Anheftung bezeichnet man als Schultergürtel. Durch diese Konstruktion ist der Schultergürtel sehr beweglich in der Vorwärtsbewegung und dient als Stoßdämpfer.

Schulterregion Mensch
Quelle: Wikipedia

Anheftung Vorderbein an den Rumpf
aus: Denoix/Pailloux: Physiotherapie und Massage bei Pferden



Die Anheftung der Vorderbeine zieht zum einen Teil vom Brustkorb mit Rippen, Brustbein und Brustwirbeln zu den Knochen von Schulterblatt und Oberarm. Sie liegt sozusagen auf der Innenseite und Außenseite des Beines und heftet sich dann an den entsprechenden Stellen vom Rumpf an. Ein weiterer Teil führt zu den Halswirbeln und zum Kopf. Die Muskeln sind der Gliedmaßenmuskulatur von außen aufgelagert. Sie bilden somit auch zum Teil das äußere Exterieurbild des Pferdes in der Region Schulter/Brust. Ihr könnt zu der Anheftung auch noch mal im Beitrag über das Muskelsystem nachlesen. Im folgenden werde ich die beteiligten Muskeln auflisten:

Oberflächliche Schicht
M. Trapezius - Trapezmuskel/Kappenmuskel - Anheftung vom Schulterblatt zu den Hals- und Brustwirbeln
M. Omotransversarius -   - Anheftung von den Halswirbeln zum Schulterblatt und Oberarm
M. Brachiocephalicus - Arm-Kopfmuskel - Anheftung vom Oberarm zum Schläfenbein
M. Latissimus Dorsi - Breiter Rückenmuskel - vom Oberarm zum Widerrist bis letzte Lendenwirbel
M. pectorales Superficialis - oberflächlicher Brustmuskel - vom Unterarm zum Brustbein

Tiefe Schicht
M. Rhomboideus -  Rautenmuskel  - vom oberen Schulterblattrand zu den Hals- und Brustwirbeln bis Ende Widerrist
M. Serratus Ventralis -   - vom oberen Rand des Schulterblatt zu den Halswirbeln und den ersten 8-9 Rippen
M. Pectorales Profundus - tiefer Brustmuskel - vom Oberarm bis zum Brustbein und der 4. - 9. Rippe
M. Subclavius - Unterschulterblattmuskel - über einen Schulterblattmuskel und einer Faszie der Schultergegend zum Brustbein und der 1. - 4. Rippe

Ansicht der Skelettbestandteile von vorne
Foto: Privat


Funktion und Dysfunktion der Schultergürtelmuskeln
Sind die Muskeln des Schultergürtels locker, dann sind sie sehr gut in der Lage Stöße des Rumpfes auf die Gliedmaßen abfangen. Eine verspannte Muskulatur ist dazu nicht mehr in der Lage. Die Stöße werden direkt auf die Gelenke und Muskeln der Vordergliedmaße übertragen. Dadurch wird die Belastung der Knochen, Sehnen und Bänder erhöht. Gesundheitliche Probleme sind die Folgen. Neben der Funktion als Träger der Schultergliedmaße und des Rumpfes sind die Muskeln auch an der Bewegung der Gliedmaße beteiligt. Sie bewegen die knöchernden Anteile der Gliedmaße an denen sie befestigt sind nach vorne, zurück und zur Seite. Sie beugen und strecken dabei die Gelenke. Die Muskeln, die zu den Halswirbeln ziehen sind auch an dem Heben und Senken von Kopf und Hals sowie Seitwärtsbiegung beteiligt. Sind die Muskeln verspannt, dann hat das Auswirkungen auf die Qualität der Bewegung. Wenn wir uns nun wieder an die Kettenreaktionen bei Problemen erinnern, dann kann man sich schon vorstellen, was das wieder für Auswirkungen auf den gesamten Körper hat.
Beispiele:
  • eingeschränktes Vorführen der Gliedmaße bei verspanntem Trapezmuskel
  • Wegdrücken des Rückens bei verspanntem latissimus dorsi
Bei einem Sturz oder einer längeren einseitig stärkeren Belastung einer Gliedmaße (z.B. mangelnde Geraderichtung, Aufsteigen immer von einer Seite ohne Aufsteighilfe) kommt es zu einer einseitigen Anspannung der Schultergürtelmuskulatur. Nun stellt euch das einmal bildlich vor. Die Muskeln der einen Seite spannen mehr an. Dadurch ziehen sie den Brustkorb zu dem Vorderbein herüber. Je nachdem welche Muskeln stärker betroffen sind, kann der Brustkorb dabei auch noch rotieren (drehen). Durch dieses einseitige Ziehen verschiebt sich die Wirbelsäule des Pferdes. Das Pferd ist nicht mehr in der Lage geradegerichtet zu laufen. Die gesamte Muskulatur zur hohlgebogenen Seite verkürzt sich. Das Problem weitet sich dann über die gesamte Wirbelsäule aus. Folgen sind u.a.:
  • Beckenschiefstand
  • einseite Blockierung des Kiefergelenkes, Atlas usw.
  • einseitige Überlastung der Gliedmaßen vorne und hinten
  • Blockierungen in den Zwischenwirbelgelenken
  • verstärkte einseitige Schultermuskulatur
  • schief sitzender Reiter
  • schiefer Sattel
Ist die Muskulatur nicht kräftig genug, kann sie die Stabilisierung des Rumpfes nicht korrekt gewährleisten. Dann sackt der Übergang zwischen Hals- und Brustwirbel nach unten ab. Gut an einer "tief" hängenden Brust des Pferdes zu erkennen. Hier gilt es schnellstmöglich wieder die Muskeln zu kräftigen. Durch diese Fehlhaltung kommt es schnell zu einem Problem an den Dornfortsätzen des Widerrist und ein mangelndes Aufwölben des Rückens. Diese Pferde haben auch häufig eine schwache Galoppade in der Vorhandbewegung, einen Axthieb, stolpern gerne mal und tragen sich nicht richtig.

ehemaliges Rollkurpferd und Kopper
tiefe Brust und leichter Axthieb
Foto: privat
 
Training des Schultergürtels
Die gesamte Muskelgruppe kann sehr gut über die Seitengänge und Längsbiegung trainiert werden. Gerade bei Springpferden wird der Schultergürtel stark beansprucht. Für diese Pferde ist eine gymnastizierende Arbeit daher besonders wichtig.
Als zusätzliche Maßnahmen empfehle ich die Massage der Muskeln. Eine besonders effektive Übung ist auch die Widerristschaukel. Dabei stellt ihr euch neben einem Vorderbein mit Blick nach vorne. Mit einer Hand fast ihr oben auf den Widerrist und bewegt diesem ganz langsam zu euch rüber und in die entgegengesetzte Richtung. Dabei nur so viel herübernehmen, dass das Pferde nur die Fesselgelenke mehr beugt und streckt. Wenn es den Huf vom Boden nimmt, ist es zuviel. Durch diese Übung löst ihr Verklebungen in der Muskulatur und sorgt für ein leichtes An- und Abspannen.

Sollten Probleme länger bestehen bleiben, empfehle ich euch unbedingt die Hilfe eines Pferdeosteopathen zu suchen!

Wie korrigiert man Anlehnungsfehler? Teil 2 - Gegen die Hand

Ich möchte euch meinen Weg zeigen, wie ich bei Pferden Probleme in der Anlehnung korrigiere. Zusätzlich ist es mir wichtig, dass ihr den ganzheitlichen Zusammenhang erfahrt. Das wird meiner Meinung nach häufig auch von Fachleuten nicht erklärt oder nicht erkannt. Beim Schreiben habe ich schon wieder festgestellt, dass ich auch die Korrekturen teilen muss. Es wird also noch einen Teil für Pferde geben, die sich nach hinten entziehen.

Grundsätzliche Überlegungen zu "Korrekturpferden"
Als Reiter muss man sich bewusst machen, dass es nicht sinnvoll ist, dem Pferd Fehler beizubringen oder eine falsche Haltung erst einmal zu tolerieren. Jede Bewegung wird im Gedächtnis des Pferdes abgespeichert. Wird diese nicht korrigiert, dann ist es für das Pferd normal. Es lernt! Anlehnungsfehler entstehen durch ein falsch aufgenommenes Verständnis für die Hilfen, grobe Einwirkung des Reiters, Schmerzen, mangelnde Ausbildung und Muskulatur, unpassende und defekte Ausrüstung usw. Die Ursachen müssen abgestellt werden und das Pferd muss neu "programmiert" werden. "Programmiert" bedeutet in dem Fall, die alte Reaktion löschen und eine neue Reaktion speichern. Das kann je nach Geschick des Reiters viele viele Monate dauern. Jedes Mal, wenn der alte Fehler nicht korrigiert wird oder die Ursache wieder erscheint, dann machen wir Rückschritte oder kommen nicht voran. Das bedeutet für den Reiter, dass er sehr pingelig sein muss. Wenn ihr es schafft, schon im Ansatz des Fehlers einzugreifen, dann könnt ihr schneller erfolgreich werden.

Alle Anlehnungsfehler, die durch falsche und mangelnde Ausbildung, grobe Einwirkung und Schmerzen durch harte Einwirkung verursacht werden, sollten nach meiner Erfahrung zuerst vom Boden korrigiert werden. Hier hat das Pferd im Normalfall keine schlechten Erfahrung gemacht. Ihr habt das Pferd als Ganzes im Blick. Um etwas zu ändern, müßt ihr euch selber dem Fehler stellen. In diesen Fällen habt ihr den Mist selber direkt verbockt bzw. jemand, dem ihr das Pferd anvertraut habt bzw. Vorbesitzer. Auch wenn es am eigenen Ego kratzt, es ist aber so. Fehler sind menschlich, müssen aber eingestanden werden. Sonst braucht ihr mit der Korrektur gar nicht weitermachen. Am einfachsten ist es, wenn ihr anfangt euren eigenen Horizont zu erweitern und euch kritischer mit dem Reiten auseinandersetzt. In jedem Stall und im reiterlichen Freundeskreis gibt es Reiter, die immer alles besser wissen und euch mit ihrem Halbwissen unterstützen möchten. Kann ja auch sein, dass sie wirklich gute Tipps haben. Aber schaut euch ganz objektiv diese Leute an. Wie sind ihre Pferde ausgebildet? Wie gehen sie mit ihnen um? Daran könnt ihr die Spreu vom Weizen trennen. Ich bin ja selber auch viel bei Facebook unterwegs und stoße immer wieder auf Bilder mit Pferden, die eben nicht korrekt ausgebildet scheinen. Als Ausrede gilt immer die so genannte Momentaufnahme des Bildes. Das ist für mich nicht gültig. Warum stellt jemand absichtlich ein Bild ins Internet, dass Pferd und Reiter schlecht darstellt. Vielmehr sehe ich da eine gehörige Portion Betriebsblindheit bei vielen.

Ich werde die Korrekturideen in 2 Bereiche unterteilen. Zum einen die Pferde, die gegen die Hand gehen und sich nach oben herausheben und zum zweiten die Pferde, die sich rückwärts entziehen. Diese werden in einem weiteren Beitrag abgehandelt.

Wenn das Pferd gegen den Zügel oder die Hand geht


Wir haben hier ein Pferd, dass den Kampf noch nicht ganz aufgegeben hat. Es wehrt sich noch gegen die Einwirkung. Diese Pferde sind dadurch für mich einfacher zu korrigieren. Sie sind immerhin noch bereit zur Kommunikation.

Biomechanische Grundgedanken
Was passiert im Pferdekörper, wenn das Pferd nach vorne/oben mit Kopf und Hals geht?
Die obere (dorsale) Muskelkette ist bei diesen Pferden angespannt, also verkürzt. Normalweise soll sich diese Muskelkette dehnen. Die untere (ventrale) Muskelkette und die Muskeln des Bauches sind gedehnt. Diese sollen eigentlich anspannen und von unten stützen (vgl. Beitrag Muskelketten). Das Pferd arbeitet also umgekehrt zum eigentlich erwünschten biomechanischen Hintergrund. Daraus ergeben sich häufig auch Auswirkungen auf das Skelett. Die Wirbelsäule befinden sich in einer sog. Extensionsblockierung (Wirbel biegen sich vermehrt nach unten durch) besonders im Bereich Halswirbel und Brustwirbel. Bei einigen Abschnitten ist die Extension physiologisch normal, aber in einem anderen Ausmaß. Gerade im Bereich der Brustwirbel können dann durch die langen Dornfortsätze oben auf den Wirbeln eine Annäherung oder Berührung dieser Dornfortsätze entstehen. Ihr kennt das sicherlich unter dem Begriff "Kissing Spines".

Verlauf der Pferdewirbelsäule
Quelle:
Hertsch, Anatomie des Pferdes, 3. Aufl.2000


Kissing Spines an den oberen Dornfortsätzen 

Pferde werden da meistens erst berührungsempfindlich. Zuerst kommt es zu einem entzündlichen Prozess. Wird die Haltung des Pferdes nicht korrigiert, kann es schnell zu Verknöcherungen an den Dornfortsätzen kommen. Die Beweglichkeit ist dann dauerhaft eingeschränkt. Das hat dann Auswirkungen auf das komplette Aufwölben der Wirbelsäule, da es im Verknöcherten Bereich nicht möglich ist. Das Pferd muss die Wirbel aber korrekt aufwölben, um den Reiter richtig zu "tragen".
Es gibt aber auch Fälle von "Kissing Spines", wo keine Symptome aufgefallen sind. Darauf sollte man aber nicht vertrauen.

Weitere Auswirkungen dieser Kopf/Hals Position sind auch ein "tiefer" Übergang zwischen Hals- und Brustwirbel (CTÜ). Dieser liegt, grob gesagt, zwischen den Vorderbeinen. Auch hier spricht man von einer Extensionsblockierung. In diesem Bereich verlaufen wieder viele Muskeln, die zum Schultergürtel gehören. Der Schultergürtel ist die muskuläre Aufhängung der Vorderbeine an dem Rumpf. Pferde haben kein Schlüsselbein. Dieser Schultergürtel ist u.a. auch ein wichtiger Stossdämpfer für das Pferd. Er funktioniert wie eine Art Hängematte und federt den Rumpf ab. Besonders wichtig beim Springen und anderen Bewegungen, bei denen die Vorhand vermehrt Last tragen muss. So wird viel Gewicht abgefedert und es landet weniger auf den Gelenken der Vordergliedmaßen. Ist die Muskulatur des Schultergürtel fest, dann kann sie dieses Abfedern nicht genügend übernehmen. Die Kraft aus dem Auffangen der Bewegung geht vermehrt auf die Gelenke und Muskeln der Vorhand. Hier entsteht eine typische Überlastung. Das führt dann zu frühzeitigen Verschleiß, sporadischen Lahmheiten, chronischen Sehnenproblemen usw.

Auf den hinteren Bereich des Pferdes hat diese Haltung natürlich auch Auswirkungen. Durch das Verkürzen der oberen Muskelkette wird das weit unter dem Schwerpunkt fußen verhindert. Das Kreuzbein beugt nicht richtig, die Hinterbeine schwingen mehr nach hinten raus. Die Streckmuskulatur der Hinterbeine ist fest und hyperton. Hat also eine unnatürlich hohe Muskelspannung. Dadurch kommt es meist zu Blockierungen im Bereich der Lumbosakral- und Iliosakralgelenke. Das Lumbosakralgelenk befindet sich zwischen letzten Lendenwirbel und 1. Kreuzwirbel, bei Pferden häufig als "Loch" erkennbar. Ist dieses "Loch" größer, liegt höchstwahrscheinlich eine Blockierung vor. Die Iliosakralgelenke (ISG), auch Kreuzdarmbeingelenke genannt, sind die Verbindung zwischen Kreuzbein und Becken. Beide Regionen sind für die Beweglichkeit des Pferdes in der Hinterhand äußerst wichtig. Der weitere Verlauf der Streckmuskulatur der Hinterbeine geht über in die Zehenbeuger. Diese enden als oberflächliche und tiefe Beugesehne unten am Pferdebein. Auch hier muss man wieder den ganzheitlichen Zusammenhang sehen. Sind die Muskeln zu den Beugesehnen in Dauerspannung, dann hat das auch Auswirkungen auf die dazugehörigen Sehnen der Hinterhand. Durch die dauernde Spannung des Muskels kann dieser nicht mehr nachgeben und die Spannung wird direkt an die Sehne weiter gegeben. Diese ist aber nicht so dehnbar wie ein Muskel. Wenn man das wieder weiterdenkt, dann kommt man dadurch u.a. auch zu Fehlstellungen im Huf und anderen Problemen. Der Muskel der oberflächlichen Beugesehne (m. flexor digitalis superficialis) ist u. a. auch an der "Spannsägenkonstruktion" beteiligt. Diese sorgt für eine gleichzeitige Bewegung von Knie- und Sprunggelenk. Ihr seht, es ist ein sehr tiefgehendes Problem.

unterer Abschnitt der Gliedmaßen


Korrekturmöglichkeiten
Grundsätzlich muss man hier zu der Korrektur nicht viel sagen. Es geht hauptsächlich darum, dass Pferd wieder geschmeidig zu machen. 
Bei den Anlehnungfehlern "gegen den Zügel" und "über den Zügel" könnt ihr erst einmal so starten, wie ich es im 1. Teil beschrieben habe. Diese Pferde haben keine Angst vor der Anlehnung. Sie kämpfen noch dagegen an. Das Problem ist nur, dass sich ihre Muskulatur entsprechend falsch entwickelt hat. Diese Muskeln müssen geschmeidig und beweglich gemacht werden. Häufig fehlt den Pferden das Gleichgewicht. Ihre natürliche Schiefe kann sich verstärkt haben und sie fallen stark auf eine Schulter (händige Schulter). Am Boden gearbeitet, muss das Pferd den Reiter nicht noch zusätzlich ausbalancieren. Außerdem könnt ihr durch gezielten kurzen Druck mit der Hand auf das Schulterblatt des Pferdes das Gleichgewicht wieder verbessern. Dabei solltet ihr genau in dem Moment mit Druck der Hand gegen die Schulter einwirken, wenn das Pferd mit dem Vorderbein, zu dem die Schulter gehört, abfußt. So könnt ihr das gerade Vorführen des Beines in die richtige Richtung leiten. Aber Achtung, drückt ihr zu lange, lehnt das Pferd sich wieder gegen euch. Wenn ihr dabei gleichzeitig eine leichte Biegung im Hals zu euch fragt, kann das Pferd sich einfacher auf das gegenüberliegende Vorderbein lehnen. Auch hier achtet ihr immer auf eine gleichmäßige Verbindung des äußeren Zügels.
Ihr beginnt die Biegeübungen zuerst im Halt und macht dann im Schritt weiter. Dabei dürft ihr ganz häufig Übergänge zum Halt einbauen. Das aktiviert zusätzlich die Bauchmuskeln. Wenn ihr gut zu Fuß seid, dürft ihr auch im Trab weitermachen und Übergänge zwischen Schritt, Trab, Halt und Rückwärtsrichten erarbeiten. dabei ganz viel auf gebogenen Linien arbeiten. Auch auf der geraden Linie könnt ihr das Pferd immer wieder biegen um so ein vermehrtes Runden des Halses zu bekommen. Spätestens dann, wenn das Pferd wieder vermehrt über den oder gegen den Zügel kommt. Arbeitet mit häufigen Richtungswechseln um die Muskulatur nicht zu ermüden.
Auch vom Sattel aus arbeitet ihr viel mit einer Längsbiegung des Pferdes. Häufige Wechsel zwischen geraden und gebogenen Linien schulen das Gleichgewicht. Jedes Mal, wenn das Pferd über den Zügel kommen möchte, fordert ihr es zu Biegung auf. Später sind auch Übungen im Schulterherein sehr sinnvoll, da dadurch die Vorhand nochmals vermehrt aktiviert wird und die Hinterhand geschmeidigt wird. Dabei könnt ihr auch auf gerader Linie mit einer vermehrten Abstellung oder auf gebogener Linie arbeiten.
Unterstützend könnt ihr die Hals- und Kruppenmuskulatur massieren um eine Aktivierung und verbesserte Durchblutung zu erreichen. Dabei aber nicht mehr als 2-3 x pro Woche massieren. Auch Pferde bekommen durch Massage Muskelkater. Die Bauchmuskeln aktiviert ihr durch eine sanftere Massage. Zusätzlich könnt ihr im Anschluss noch den Rücken aufwölben indem ihr von hinten nach vorne mit der Fingerkuppe an der Bauchnaht entlanggeht.


Was passiert dabei im Pferd?
Die Muskeln werden durch die geforderte Bewegung geschmeidiger und können ihre normale Arbeit verrichten. Ein stetiges Arbeiten in Verkürzung und Dehnung sorgt für eine gute Durchblutung des Muskels und zu einem Aufbau. Die verkürzten Muskeln werden wieder aktiviert. Einem Pferd fällt die Biegung in einer tieferen Haltung leichter. Dadurch wird es auch vermehrt die Dehnungshaltung suchen.