Freitag, 10. Mai 2013

Hufbalance

Die korrekte Balance des Hufes ist bedeutungsvoll für das gesamte Pferd. Der Spruch "Ohne Huf kein Pferd" ist nicht nur dahingesagt worden sondern ist eine ernstzunehmende Aussage. Die korrekte Balance eines Hufes läßt sich an einfachen Linien feststellen. Es gibt 2 wichtige Linien:

1. mediolaterale Balance
Die Stellung der Innen- und Ausßenseite des Hufes von vorne betrachtet. Zu allererst achtet man darauf, dass alle Gelenke in einer Höhe sind. Dabei muss das Pferd auf ebenen Boden stehen. Dann zieht man eine gedachte parallele Linie zum Boden auf Höhe folgender Gelenke: Vorderfußwurzelgelenk, Fesselgelenk. Eine weitere parallele Linie zum Boden soll zur tragenden Fußungsfläche des Hufes im rechten Winkel (90°) stehen. Eine weitere Linie ist die Senkrechte durch die Mitte des Röhrbeins, des Fesselgelenk und Vorderfußwurzelgelenk. Diese Linie soll die Mitte der Hufkapsel genau treffen. Häufig findet man hier eine steilere und eine breitere Hufwand. Diese sind ein Zeichen von ungleicher Belastung. Die steilere Hufwand hat mehr Druck. Erkrankungen, die durch eine fehlerhafte mediolaterale Balance entstehen sind z.B. Gelenkerkrankungen, Chipfrakturen der Gelenke und Brücke der Sesambeine sowie Entzündungen im Gewebe. Die unteren Gelenke sind sog. Scharniergelenke. Eine falsche mediolaterale Balance verhindert die gleichmäßige Beweglichkeit dieser Gelenke. Sie gleiten nicht mehr richtig ineinander. Es gibt meist einseitig mehr Druck und somit frühzeitigen Verschleiß.

2. dorsopalmare Hufbalance- Huf-Fesselachse
Die Stellung des Hufes wird von der Seite betrachtet. Eine gedachte diagonale Linie durch den Drehpunkt von Fessel-, Kron- und Hufgelenk soll gerade verlaufen. Sie führt direkt durch die Mitte der Gelenke. Eine senkrechte gedachte Linie vom Drehpunkt des Fesselgelenk soll den hinteren tragenden Teil der Trachten berühren. Wo diese Linie auf den Boden fällt, soll der Huf am Boden enden. Eine weitere senkrechte Linie geht vom Drehpunkt des Hufgelenk zur Mitte der Fußungsfläche des Hufes. Die Hufvorderwand und die hintere Trachtenwand muss parallel sein.
Um diese Balanceachse festzustellen muss das Pferd auf allen Hufen gleichmäßig stehen. Der Untergrund muss eben sein. Ihr müßt die tatsächlichen Drehpunkte finden. Ihr streicht beim Fesselgelenk mit den Fingern am breitesten Teil des Röhrbein nach unten runter. Jeweils mit einem Finger innen und mit einem außen.. Wenn ihr das Gelenk der Fessel habt, also da, wo die Knochen das tatsächliche Gelenk bilden, habt ihr den Drehpunkt vom Fesselgelenk. Das Hufbein sitzt leider in der Hufkapsel und kann nicht ertastet werden. Diese Hufbalancelinien sind häufig nicht korrekt.

Quelle: Hufbalance . Williams, Deacon

Auswirkungen
Häufig findet man zu flache Trachten in Verbindung mit langen Zehen. Warum auch immer das nicht von den Schmieden korrigiert wird?

Wenn die Trachten nicht in der korrekten Position sind, dann verliert das Pferd das Gleichgewicht. Es muss sich anders hinstellen und verändert durch das geänderte Abrollen auch sein Gangbild. Durch das veränderte Stehen bekommt das Pferd massive Probleme in der Muskulatur und des Sehnen. Die Trachten können ihre Funktion nicht erfüllen und stützen die Fessel nicht mehr von unten. Schäden an den Beugesehnen sind die Folgen. Wird die Ursache der falschen Hufbalance dabei nicht wahrgenommen, bleibt eine ständige Lahmheit als Folge. Weiter kompensiert die Muskulatur die Auswirkungen bis in den Rücken hinein. Auf der folgenden Zeichungen könnt ihr die Spannungszustände der Kompensation erkennen. In Pfeilrichtung muss der Körper gegenziehen.
Quelle: Hufbalance - Williams und Deacon
Lange Zehe und niedrige Trachten



Wenn ihr also immer wiederkehrende Lahmheiten bei euren Pferden habt oder die Bewegung ungewöhnlich ist und nicht zum guten Exterieur paßt, dann macht euch doch mal ein Bild von den Hufbalance eures Pferdes.

Für alle, die sich gerne näher Informieren möchten empfehle ich das Buch "Hufbalance" von Gail Williams und Martin Deacon aus dem Cadmos Verlag. ISBN 978-383031009-3

Dienstag, 19. März 2013

Der Schultergürtel

Die Vorderbeine des Pferdes sind nicht wie bei uns über einen Knochen (Schlüsselbein) am Rumpf befestigt. Das Schulterblatt liegt neben dem Pferdekörper. Die Befestigung wird durch Muskeln, Sehnen und Bänder erledigt. Der Rumpf ist wie eine Art Hängematte zwischen Schultern und Oberarm eingebettet. Diese Anheftung bezeichnet man als Schultergürtel. Durch diese Konstruktion ist der Schultergürtel sehr beweglich in der Vorwärtsbewegung und dient als Stoßdämpfer.

Schulterregion Mensch
Quelle: Wikipedia

Anheftung Vorderbein an den Rumpf
aus: Denoix/Pailloux: Physiotherapie und Massage bei Pferden



Die Anheftung der Vorderbeine zieht zum einen Teil vom Brustkorb mit Rippen, Brustbein und Brustwirbeln zu den Knochen von Schulterblatt und Oberarm. Sie liegt sozusagen auf der Innenseite und Außenseite des Beines und heftet sich dann an den entsprechenden Stellen vom Rumpf an. Ein weiterer Teil führt zu den Halswirbeln und zum Kopf. Die Muskeln sind der Gliedmaßenmuskulatur von außen aufgelagert. Sie bilden somit auch zum Teil das äußere Exterieurbild des Pferdes in der Region Schulter/Brust. Ihr könnt zu der Anheftung auch noch mal im Beitrag über das Muskelsystem nachlesen. Im folgenden werde ich die beteiligten Muskeln auflisten:

Oberflächliche Schicht
M. Trapezius - Trapezmuskel/Kappenmuskel - Anheftung vom Schulterblatt zu den Hals- und Brustwirbeln
M. Omotransversarius -   - Anheftung von den Halswirbeln zum Schulterblatt und Oberarm
M. Brachiocephalicus - Arm-Kopfmuskel - Anheftung vom Oberarm zum Schläfenbein
M. Latissimus Dorsi - Breiter Rückenmuskel - vom Oberarm zum Widerrist bis letzte Lendenwirbel
M. pectorales Superficialis - oberflächlicher Brustmuskel - vom Unterarm zum Brustbein

Tiefe Schicht
M. Rhomboideus -  Rautenmuskel  - vom oberen Schulterblattrand zu den Hals- und Brustwirbeln bis Ende Widerrist
M. Serratus Ventralis -   - vom oberen Rand des Schulterblatt zu den Halswirbeln und den ersten 8-9 Rippen
M. Pectorales Profundus - tiefer Brustmuskel - vom Oberarm bis zum Brustbein und der 4. - 9. Rippe
M. Subclavius - Unterschulterblattmuskel - über einen Schulterblattmuskel und einer Faszie der Schultergegend zum Brustbein und der 1. - 4. Rippe

Ansicht der Skelettbestandteile von vorne
Foto: Privat


Funktion und Dysfunktion der Schultergürtelmuskeln
Sind die Muskeln des Schultergürtels locker, dann sind sie sehr gut in der Lage Stöße des Rumpfes auf die Gliedmaßen abfangen. Eine verspannte Muskulatur ist dazu nicht mehr in der Lage. Die Stöße werden direkt auf die Gelenke und Muskeln der Vordergliedmaße übertragen. Dadurch wird die Belastung der Knochen, Sehnen und Bänder erhöht. Gesundheitliche Probleme sind die Folgen. Neben der Funktion als Träger der Schultergliedmaße und des Rumpfes sind die Muskeln auch an der Bewegung der Gliedmaße beteiligt. Sie bewegen die knöchernden Anteile der Gliedmaße an denen sie befestigt sind nach vorne, zurück und zur Seite. Sie beugen und strecken dabei die Gelenke. Die Muskeln, die zu den Halswirbeln ziehen sind auch an dem Heben und Senken von Kopf und Hals sowie Seitwärtsbiegung beteiligt. Sind die Muskeln verspannt, dann hat das Auswirkungen auf die Qualität der Bewegung. Wenn wir uns nun wieder an die Kettenreaktionen bei Problemen erinnern, dann kann man sich schon vorstellen, was das wieder für Auswirkungen auf den gesamten Körper hat.
Beispiele:
  • eingeschränktes Vorführen der Gliedmaße bei verspanntem Trapezmuskel
  • Wegdrücken des Rückens bei verspanntem latissimus dorsi
Bei einem Sturz oder einer längeren einseitig stärkeren Belastung einer Gliedmaße (z.B. mangelnde Geraderichtung, Aufsteigen immer von einer Seite ohne Aufsteighilfe) kommt es zu einer einseitigen Anspannung der Schultergürtelmuskulatur. Nun stellt euch das einmal bildlich vor. Die Muskeln der einen Seite spannen mehr an. Dadurch ziehen sie den Brustkorb zu dem Vorderbein herüber. Je nachdem welche Muskeln stärker betroffen sind, kann der Brustkorb dabei auch noch rotieren (drehen). Durch dieses einseitige Ziehen verschiebt sich die Wirbelsäule des Pferdes. Das Pferd ist nicht mehr in der Lage geradegerichtet zu laufen. Die gesamte Muskulatur zur hohlgebogenen Seite verkürzt sich. Das Problem weitet sich dann über die gesamte Wirbelsäule aus. Folgen sind u.a.:
  • Beckenschiefstand
  • einseite Blockierung des Kiefergelenkes, Atlas usw.
  • einseitige Überlastung der Gliedmaßen vorne und hinten
  • Blockierungen in den Zwischenwirbelgelenken
  • verstärkte einseitige Schultermuskulatur
  • schief sitzender Reiter
  • schiefer Sattel
Ist die Muskulatur nicht kräftig genug, kann sie die Stabilisierung des Rumpfes nicht korrekt gewährleisten. Dann sackt der Übergang zwischen Hals- und Brustwirbel nach unten ab. Gut an einer "tief" hängenden Brust des Pferdes zu erkennen. Hier gilt es schnellstmöglich wieder die Muskeln zu kräftigen. Durch diese Fehlhaltung kommt es schnell zu einem Problem an den Dornfortsätzen des Widerrist und ein mangelndes Aufwölben des Rückens. Diese Pferde haben auch häufig eine schwache Galoppade in der Vorhandbewegung, einen Axthieb, stolpern gerne mal und tragen sich nicht richtig.

ehemaliges Rollkurpferd und Kopper
tiefe Brust und leichter Axthieb
Foto: privat
 
Training des Schultergürtels
Die gesamte Muskelgruppe kann sehr gut über die Seitengänge und Längsbiegung trainiert werden. Gerade bei Springpferden wird der Schultergürtel stark beansprucht. Für diese Pferde ist eine gymnastizierende Arbeit daher besonders wichtig.
Als zusätzliche Maßnahmen empfehle ich die Massage der Muskeln. Eine besonders effektive Übung ist auch die Widerristschaukel. Dabei stellt ihr euch neben einem Vorderbein mit Blick nach vorne. Mit einer Hand fast ihr oben auf den Widerrist und bewegt diesem ganz langsam zu euch rüber und in die entgegengesetzte Richtung. Dabei nur so viel herübernehmen, dass das Pferde nur die Fesselgelenke mehr beugt und streckt. Wenn es den Huf vom Boden nimmt, ist es zuviel. Durch diese Übung löst ihr Verklebungen in der Muskulatur und sorgt für ein leichtes An- und Abspannen.

Sollten Probleme länger bestehen bleiben, empfehle ich euch unbedingt die Hilfe eines Pferdeosteopathen zu suchen!

Wie korrigiert man Anlehnungsfehler? Teil 2 - Gegen die Hand

Ich möchte euch meinen Weg zeigen, wie ich bei Pferden Probleme in der Anlehnung korrigiere. Zusätzlich ist es mir wichtig, dass ihr den ganzheitlichen Zusammenhang erfahrt. Das wird meiner Meinung nach häufig auch von Fachleuten nicht erklärt oder nicht erkannt. Beim Schreiben habe ich schon wieder festgestellt, dass ich auch die Korrekturen teilen muss. Es wird also noch einen Teil für Pferde geben, die sich nach hinten entziehen.

Grundsätzliche Überlegungen zu "Korrekturpferden"
Als Reiter muss man sich bewusst machen, dass es nicht sinnvoll ist, dem Pferd Fehler beizubringen oder eine falsche Haltung erst einmal zu tolerieren. Jede Bewegung wird im Gedächtnis des Pferdes abgespeichert. Wird diese nicht korrigiert, dann ist es für das Pferd normal. Es lernt! Anlehnungsfehler entstehen durch ein falsch aufgenommenes Verständnis für die Hilfen, grobe Einwirkung des Reiters, Schmerzen, mangelnde Ausbildung und Muskulatur, unpassende und defekte Ausrüstung usw. Die Ursachen müssen abgestellt werden und das Pferd muss neu "programmiert" werden. "Programmiert" bedeutet in dem Fall, die alte Reaktion löschen und eine neue Reaktion speichern. Das kann je nach Geschick des Reiters viele viele Monate dauern. Jedes Mal, wenn der alte Fehler nicht korrigiert wird oder die Ursache wieder erscheint, dann machen wir Rückschritte oder kommen nicht voran. Das bedeutet für den Reiter, dass er sehr pingelig sein muss. Wenn ihr es schafft, schon im Ansatz des Fehlers einzugreifen, dann könnt ihr schneller erfolgreich werden.

Alle Anlehnungsfehler, die durch falsche und mangelnde Ausbildung, grobe Einwirkung und Schmerzen durch harte Einwirkung verursacht werden, sollten nach meiner Erfahrung zuerst vom Boden korrigiert werden. Hier hat das Pferd im Normalfall keine schlechten Erfahrung gemacht. Ihr habt das Pferd als Ganzes im Blick. Um etwas zu ändern, müßt ihr euch selber dem Fehler stellen. In diesen Fällen habt ihr den Mist selber direkt verbockt bzw. jemand, dem ihr das Pferd anvertraut habt bzw. Vorbesitzer. Auch wenn es am eigenen Ego kratzt, es ist aber so. Fehler sind menschlich, müssen aber eingestanden werden. Sonst braucht ihr mit der Korrektur gar nicht weitermachen. Am einfachsten ist es, wenn ihr anfangt euren eigenen Horizont zu erweitern und euch kritischer mit dem Reiten auseinandersetzt. In jedem Stall und im reiterlichen Freundeskreis gibt es Reiter, die immer alles besser wissen und euch mit ihrem Halbwissen unterstützen möchten. Kann ja auch sein, dass sie wirklich gute Tipps haben. Aber schaut euch ganz objektiv diese Leute an. Wie sind ihre Pferde ausgebildet? Wie gehen sie mit ihnen um? Daran könnt ihr die Spreu vom Weizen trennen. Ich bin ja selber auch viel bei Facebook unterwegs und stoße immer wieder auf Bilder mit Pferden, die eben nicht korrekt ausgebildet scheinen. Als Ausrede gilt immer die so genannte Momentaufnahme des Bildes. Das ist für mich nicht gültig. Warum stellt jemand absichtlich ein Bild ins Internet, dass Pferd und Reiter schlecht darstellt. Vielmehr sehe ich da eine gehörige Portion Betriebsblindheit bei vielen.

Ich werde die Korrekturideen in 2 Bereiche unterteilen. Zum einen die Pferde, die gegen die Hand gehen und sich nach oben herausheben und zum zweiten die Pferde, die sich rückwärts entziehen. Diese werden in einem weiteren Beitrag abgehandelt.

Wenn das Pferd gegen den Zügel oder die Hand geht


Wir haben hier ein Pferd, dass den Kampf noch nicht ganz aufgegeben hat. Es wehrt sich noch gegen die Einwirkung. Diese Pferde sind dadurch für mich einfacher zu korrigieren. Sie sind immerhin noch bereit zur Kommunikation.

Biomechanische Grundgedanken
Was passiert im Pferdekörper, wenn das Pferd nach vorne/oben mit Kopf und Hals geht?
Die obere (dorsale) Muskelkette ist bei diesen Pferden angespannt, also verkürzt. Normalweise soll sich diese Muskelkette dehnen. Die untere (ventrale) Muskelkette und die Muskeln des Bauches sind gedehnt. Diese sollen eigentlich anspannen und von unten stützen (vgl. Beitrag Muskelketten). Das Pferd arbeitet also umgekehrt zum eigentlich erwünschten biomechanischen Hintergrund. Daraus ergeben sich häufig auch Auswirkungen auf das Skelett. Die Wirbelsäule befinden sich in einer sog. Extensionsblockierung (Wirbel biegen sich vermehrt nach unten durch) besonders im Bereich Halswirbel und Brustwirbel. Bei einigen Abschnitten ist die Extension physiologisch normal, aber in einem anderen Ausmaß. Gerade im Bereich der Brustwirbel können dann durch die langen Dornfortsätze oben auf den Wirbeln eine Annäherung oder Berührung dieser Dornfortsätze entstehen. Ihr kennt das sicherlich unter dem Begriff "Kissing Spines".

Verlauf der Pferdewirbelsäule
Quelle:
Hertsch, Anatomie des Pferdes, 3. Aufl.2000


Kissing Spines an den oberen Dornfortsätzen 

Pferde werden da meistens erst berührungsempfindlich. Zuerst kommt es zu einem entzündlichen Prozess. Wird die Haltung des Pferdes nicht korrigiert, kann es schnell zu Verknöcherungen an den Dornfortsätzen kommen. Die Beweglichkeit ist dann dauerhaft eingeschränkt. Das hat dann Auswirkungen auf das komplette Aufwölben der Wirbelsäule, da es im Verknöcherten Bereich nicht möglich ist. Das Pferd muss die Wirbel aber korrekt aufwölben, um den Reiter richtig zu "tragen".
Es gibt aber auch Fälle von "Kissing Spines", wo keine Symptome aufgefallen sind. Darauf sollte man aber nicht vertrauen.

Weitere Auswirkungen dieser Kopf/Hals Position sind auch ein "tiefer" Übergang zwischen Hals- und Brustwirbel (CTÜ). Dieser liegt, grob gesagt, zwischen den Vorderbeinen. Auch hier spricht man von einer Extensionsblockierung. In diesem Bereich verlaufen wieder viele Muskeln, die zum Schultergürtel gehören. Der Schultergürtel ist die muskuläre Aufhängung der Vorderbeine an dem Rumpf. Pferde haben kein Schlüsselbein. Dieser Schultergürtel ist u.a. auch ein wichtiger Stossdämpfer für das Pferd. Er funktioniert wie eine Art Hängematte und federt den Rumpf ab. Besonders wichtig beim Springen und anderen Bewegungen, bei denen die Vorhand vermehrt Last tragen muss. So wird viel Gewicht abgefedert und es landet weniger auf den Gelenken der Vordergliedmaßen. Ist die Muskulatur des Schultergürtel fest, dann kann sie dieses Abfedern nicht genügend übernehmen. Die Kraft aus dem Auffangen der Bewegung geht vermehrt auf die Gelenke und Muskeln der Vorhand. Hier entsteht eine typische Überlastung. Das führt dann zu frühzeitigen Verschleiß, sporadischen Lahmheiten, chronischen Sehnenproblemen usw.

Auf den hinteren Bereich des Pferdes hat diese Haltung natürlich auch Auswirkungen. Durch das Verkürzen der oberen Muskelkette wird das weit unter dem Schwerpunkt fußen verhindert. Das Kreuzbein beugt nicht richtig, die Hinterbeine schwingen mehr nach hinten raus. Die Streckmuskulatur der Hinterbeine ist fest und hyperton. Hat also eine unnatürlich hohe Muskelspannung. Dadurch kommt es meist zu Blockierungen im Bereich der Lumbosakral- und Iliosakralgelenke. Das Lumbosakralgelenk befindet sich zwischen letzten Lendenwirbel und 1. Kreuzwirbel, bei Pferden häufig als "Loch" erkennbar. Ist dieses "Loch" größer, liegt höchstwahrscheinlich eine Blockierung vor. Die Iliosakralgelenke (ISG), auch Kreuzdarmbeingelenke genannt, sind die Verbindung zwischen Kreuzbein und Becken. Beide Regionen sind für die Beweglichkeit des Pferdes in der Hinterhand äußerst wichtig. Der weitere Verlauf der Streckmuskulatur der Hinterbeine geht über in die Zehenbeuger. Diese enden als oberflächliche und tiefe Beugesehne unten am Pferdebein. Auch hier muss man wieder den ganzheitlichen Zusammenhang sehen. Sind die Muskeln zu den Beugesehnen in Dauerspannung, dann hat das auch Auswirkungen auf die dazugehörigen Sehnen der Hinterhand. Durch die dauernde Spannung des Muskels kann dieser nicht mehr nachgeben und die Spannung wird direkt an die Sehne weiter gegeben. Diese ist aber nicht so dehnbar wie ein Muskel. Wenn man das wieder weiterdenkt, dann kommt man dadurch u.a. auch zu Fehlstellungen im Huf und anderen Problemen. Der Muskel der oberflächlichen Beugesehne (m. flexor digitalis superficialis) ist u. a. auch an der "Spannsägenkonstruktion" beteiligt. Diese sorgt für eine gleichzeitige Bewegung von Knie- und Sprunggelenk. Ihr seht, es ist ein sehr tiefgehendes Problem.

unterer Abschnitt der Gliedmaßen


Korrekturmöglichkeiten
Grundsätzlich muss man hier zu der Korrektur nicht viel sagen. Es geht hauptsächlich darum, dass Pferd wieder geschmeidig zu machen. 
Bei den Anlehnungfehlern "gegen den Zügel" und "über den Zügel" könnt ihr erst einmal so starten, wie ich es im 1. Teil beschrieben habe. Diese Pferde haben keine Angst vor der Anlehnung. Sie kämpfen noch dagegen an. Das Problem ist nur, dass sich ihre Muskulatur entsprechend falsch entwickelt hat. Diese Muskeln müssen geschmeidig und beweglich gemacht werden. Häufig fehlt den Pferden das Gleichgewicht. Ihre natürliche Schiefe kann sich verstärkt haben und sie fallen stark auf eine Schulter (händige Schulter). Am Boden gearbeitet, muss das Pferd den Reiter nicht noch zusätzlich ausbalancieren. Außerdem könnt ihr durch gezielten kurzen Druck mit der Hand auf das Schulterblatt des Pferdes das Gleichgewicht wieder verbessern. Dabei solltet ihr genau in dem Moment mit Druck der Hand gegen die Schulter einwirken, wenn das Pferd mit dem Vorderbein, zu dem die Schulter gehört, abfußt. So könnt ihr das gerade Vorführen des Beines in die richtige Richtung leiten. Aber Achtung, drückt ihr zu lange, lehnt das Pferd sich wieder gegen euch. Wenn ihr dabei gleichzeitig eine leichte Biegung im Hals zu euch fragt, kann das Pferd sich einfacher auf das gegenüberliegende Vorderbein lehnen. Auch hier achtet ihr immer auf eine gleichmäßige Verbindung des äußeren Zügels.
Ihr beginnt die Biegeübungen zuerst im Halt und macht dann im Schritt weiter. Dabei dürft ihr ganz häufig Übergänge zum Halt einbauen. Das aktiviert zusätzlich die Bauchmuskeln. Wenn ihr gut zu Fuß seid, dürft ihr auch im Trab weitermachen und Übergänge zwischen Schritt, Trab, Halt und Rückwärtsrichten erarbeiten. dabei ganz viel auf gebogenen Linien arbeiten. Auch auf der geraden Linie könnt ihr das Pferd immer wieder biegen um so ein vermehrtes Runden des Halses zu bekommen. Spätestens dann, wenn das Pferd wieder vermehrt über den oder gegen den Zügel kommt. Arbeitet mit häufigen Richtungswechseln um die Muskulatur nicht zu ermüden.
Auch vom Sattel aus arbeitet ihr viel mit einer Längsbiegung des Pferdes. Häufige Wechsel zwischen geraden und gebogenen Linien schulen das Gleichgewicht. Jedes Mal, wenn das Pferd über den Zügel kommen möchte, fordert ihr es zu Biegung auf. Später sind auch Übungen im Schulterherein sehr sinnvoll, da dadurch die Vorhand nochmals vermehrt aktiviert wird und die Hinterhand geschmeidigt wird. Dabei könnt ihr auch auf gerader Linie mit einer vermehrten Abstellung oder auf gebogener Linie arbeiten.
Unterstützend könnt ihr die Hals- und Kruppenmuskulatur massieren um eine Aktivierung und verbesserte Durchblutung zu erreichen. Dabei aber nicht mehr als 2-3 x pro Woche massieren. Auch Pferde bekommen durch Massage Muskelkater. Die Bauchmuskeln aktiviert ihr durch eine sanftere Massage. Zusätzlich könnt ihr im Anschluss noch den Rücken aufwölben indem ihr von hinten nach vorne mit der Fingerkuppe an der Bauchnaht entlanggeht.


Was passiert dabei im Pferd?
Die Muskeln werden durch die geforderte Bewegung geschmeidiger und können ihre normale Arbeit verrichten. Ein stetiges Arbeiten in Verkürzung und Dehnung sorgt für eine gute Durchblutung des Muskels und zu einem Aufbau. Die verkürzten Muskeln werden wieder aktiviert. Einem Pferd fällt die Biegung in einer tieferen Haltung leichter. Dadurch wird es auch vermehrt die Dehnungshaltung suchen.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Wie erarbeite ich eine korrekte Anlehnung und Beizäumung? Teil 1

So, ich habe geschrieben, wie es nicht aussehen soll und in dem Beitrag "Was ist Senkrecht" schon mal eine kurze Info darüber, wie es aussehen soll mit der Beizäumung und Anlehnung. Beim Schreiben dieses Beitrags habe ich aber festgestellt, dass er sehr lang wird, wenn ich es detailliert mache. Also wird der Beitrag aufgeteilt in die Arbeit mit dem jungen Pferd und dem Korrekturpferd mit Anlehnungsproblemen.
Bitte benutzt keine Hilfszügel, um die Anlehnung oder Beizäumung zu erarbeiten. Sie werden auch nicht reell helfen sondern eher Probleme schaffen. Gute Ausbildung dauert einfach seine Zeit. Der Körper des Pferdes muss sich entwickeln und umformen. Dieser Prozess dauert viele Monate.

Nun erläutere ich euch, wie ich die Anlehnung und Beizäumung erarbeite. Fassen wir noch mal zusammen, was ich bisher darüber geschrieben habe:
- die Nasenlinie darf einen Winkel von 90° zum Boden nicht überschreiten, also Senkrecht
- die korrekte liegt zwischen 1 Handbreit vor der Senkrechten bis maximal Senkrecht
- der Reiter darf dafür keinen Zwang, Druck oder irgend eine andere Form der Kraft benutzen
- die Hinterhand muß aktiv nach vorne fußen, sonst dehnt sich die dorsale Muskelkette nicht
- die ventrale Muskelkette muß sich aktiv anspannen

Bei jeder Übung oder Einwirkung auf das Pferd solltet ihr euch folgendes fragen: "Was lernt das Pferd in diesem Moment und was hat es am Ende der Übung gelernt?"

Das junge Pferd
Bei einem jungen Pferd haben wir 2 große Faktoren, die vom Reiter/Ausbilder berücksichtigt werden müssen:
1. es kennt die Hilfen noch nicht
2. die Muskeln sind noch nicht im Training, es ermüdet schnell
Zusammengefasst heißt das: wir brauchen Zeit und arbeiten in kleinen Schritten.

Als ersten Schritt müssen wir mit dem Pferd auf einer gleichen Kommunikationsebene sein. Da wir unsere Hilfen/unsere Sprache benutzen möchten, müssen wir sie dem Pferd erklären. Wie sagte mal einer meiner Trainer bei einer Fortbildung: "Wenn ich einem Chinesen das Tanzen beibringen möchte, muss ich erst einmal chinesisch lernen!". Um eine Sprache zu vermitteln, wird von einzelnen Wörter zu kleinen Sätzen gelehrt. Daraus werden dann ganze Absätze. Für ein Pferd gilt, dass es erst einmal die Bedeutung des Gebisses im Maul kennen muss, bevor es sich mir Reiter durch die Bahn bewegt. Wir verhindern durch das behutsame Heranführen an das Gebiss auch eine Verspannung im Maul und somit der ventralen Muskelkette. Für diese ersten Schritte gibt es in der altklassischen Lehre verschiedene Abkauübungen vom Boden.

Basisübungen
Der Reiter steht vor seinem Pferd. Das Pferd hat zum ersten Mal eine Trense drauf.
Dabei greift der Reiter von vorne sanft in die Trensenringe und hält Kontakt. Achtet darauf, dass ihr nicht direkt mit eurem Kopf über dem des Pferdes seid. Wenn es seinen Kopf hochreißt, ist euer Kinn oder die Nase evtl. hin. Durch ein vorsichtiges Bewegen der Ringe Richtung Maulwinkel wird eine Bewegung des Gebisses im Maul ausgelöst, was ein Spielen zwischen Gebiss und Zunge verursacht. So löst sich die Spannung im Unterkiefer. Der Reiter nimmt die Ringe nur für einen kleinen Moment hoch und dann sofort wieder runter evtl. mehrfach wiederholen wenn das Pferd sich im Maul nicht lockern möchte. Beginnt das Pferd zu spielen, dann ist es wichtig, einen sanften und gleichmäßigen Kontakt beizubehalten. So erfährt das Pferd etwas über die Anlehnung an das Gebiss. Ihr haltet dem Pferd das Gebiss sozusagen hin. Dabei darf das Pferd nie in eine Haltung gezwungen werden. Dieses Spielen mit Anlehnung wird ein paar Sekunden gemacht, dann darf das Pferd pausieren. Dabei läßt der Reiter die Zügel los. Das Ganze dann mehrfach wiederholen. Das kurzfristige Öffnen des Maules am Anfang ist dabei normal. Es legt sich das Gebiss im Maul zurecht und benötigt noch Platz. Es wird später weniger, da das Pferd mit dem Umgang des Gebisses geschickter wird. Sollte das Pferd das Maul zu stark öffnen, dann weniger und vorsichtiger einwirken. Diese Basisübung sollte zur Angewöhnung an das Gebiss immer wieder gemacht werden. Voraussetzung ist auch ein sehr lockeres Reithalfter. Ich empfehle auch, den Sperriemen zu entfernen.
Foto: privat
Einwirkung Richtung Maulwinkel

Als nächste Übung erklären wir dem Pferd den Zusammenhang zwischen inneren und äußeren Zügel. Der innere sorgt für Biegung, der äußere begrenzt diese, hält die äußere Schulter im Gleichgewicht und ist später für die Genickbeugung zuständig. Der innere Zügel darf niemals stärker als der äußere Zügel einwirken. Für diese Übung stellen wir uns seitlich auf Höhe des mittleren Halsabschnitt. Ein Zügel über den Widerrist (wird innerer Zügel), an dem anderen Zügel fassen wir wieder leicht in den Trensenring. Am besten nur mit dem Zeigefinger. Die restlichen Finger sollten die Zügel umschließen, da sie sonst gerne am Kopf des Pferdes rumbohren. Der Zeigefinger hält Kontakt zum Trensenring. Die Hand mit dem inneren Zügel fast diesen sanft fixiert mit Daumen und Zeigefinger und sucht nun auch Kontakt. Die Hand ruht dabei auf der Schulter des Pferdes. Die entstehende Zügelschlaufe lasst ihr runtergleiten. Ist sie zu lang, nehmt ihr sie zur Vermeidung von Unfällen, in die Hand an der Schulter auf. Mit dem Zeigefinger am Trensenring könnt ihr durch sanftes bewegen wieder ein Spielen auslösen. Dabei solltet ihr darauf achten, dass die Bewegung nicht rückwärts ausgeführt wird. Das ist schmerzhaft für das Pferd. Ideal ist etwas Richtung Maulwinkel. Das kennt euer Pferd schon aus der ersten Übung.
Um nun die Biegung auszulösen, achtet ihr zuerst auf ein gleichmäßige Verbindung an eurem Trensenring und dem inneren Zügel. Der innere Zügel darf ja nicht stärker als der äußere sein. Also muss der äußere Zügel zuerst kontrollieren. Nun geht ihr mit der Hand an der Schulter abwärts zum Boden und biegt das Pferd von euch weg. Dabei laßt ihr den Arm schwer werden, nicht ziehen. Die Hand am Trensenring begleitet die Bewegung entsprechend der Stärke der Biegung. Es ist ab einer gewissen Biegung erforderlich, dass ihr euch mit herum bewegt. Die Stärke der Biegung dürft ihr zu Beginn nicht zu weit verlangen. Es ist etwas Neues für das Pferd, sich durch eine Einwirkung zu biegen. 45° reichen als Maximum zu Beginn aus. Später dürft ihr im Halten auch bis 90° biegen.  Durch den Kontakt am Trensenring könnt ihr schon mal das Genick vorsichtig kontrollieren, indem ihr auf eine gute Verbindung achtet. Gut bedeutet: mitgehen und beweglich in euren Handgelenken bleiben. Der äußere Zügel kontrolliert auch die Höhe der Kopf/Halshaltung.
Foto: privat
Biegung  (fast 90°) und Spielen mit dem Gebiss verlangen

Das Biegen ist in einer tieferen Haltung leichter aber weniger effektiv, da sich dann eine Drehung im Hals gibt und die Muskeln weniger anspannen und dehnen. Am Ende der Biegung könnt ihr das Pferd für 2-3 Sekunden halten und dann beide Zügel gleichzeitig loslassen. So bekommt das Pferd eine Pause als Belohnung. Diese Übung führt ihr dann auf der anderen Seite des Pferdes aus. Wechselt die Biegung immer ab. Achtet immer darauf, dass eure Arme locker aus den Schultern hängen. Nur so könnt ihr auch sanft einwirken. Nach einigen Übungseinheiten könnt ihr durch eine verlängerte Begrenzung am äußeren Zügel vermehrte Genickbeugung (Beizäumung) beim Pferd erfragen. Dafür wartet ihr etwas, bevor ihr die Biegung begleitet. Das Spielen mit dem Gebiss ist hier besonders wichtig. Das Pferd darf die Genickbeugung auch nicht selbst erzeugen. So bringt ihr ihm zum einen eine falsche Reaktion auf eure Zügelhilfe bei (Biegen heißt nicht Genickbeugung!) zum anderen erzieht ihr es zum Vermeiden der Zügelhilfen. Es bewegt sich jedesmal nach hinten ohne Aufforderung. Probiert das Pferd das aus, dann bewegt ihr der Trensenring sofort nach vorne Richtung Oberkiefer. So "öffnet" ihr das Genick wieder und die Nase kommt vor die Senkrechte. Das macht ihr auch so, wenn die Genickbeugung zu stark war. Denkt beim Genickbeugen daran, dass die kleinen Kopfgelenksmuskeln wenig Kraft haben. Also vorsichtig und kurz die Genickbeugung fragen, dann pausieren. Die Steigerung geschieht über viele Wochen und wird durch häufiges Verändern der Haltung begleitet.
Verwirft sich das Pferd, habt ihr innen zu stark eingewirkt. Auch können Blockierungen im Hals ein Verwerfen auslösen. Überprüft noch mal eure Einwirkung.

Was passiert im Pferd?
Da wir am Boden arbeiten, muss das Pferd sich nicht noch zusätzlich mit dem Reitergewicht ausbalancieren. Das verringert den Stress (Sympathikus bleibt unten). Es kann in Ruhe die Einwirkungen auf das fremde Teil im Maul wahrnehmen und versuchen zu verstehen.
Wenn ein junges Pferd ungewohntes Gewicht auf den Rücken bekommt, ist seine natürliche Reaktion: Im Rücken hohl machen, Kopf und Hals hochnehmen. Die beiden wichtigen Muskelketten arbeiten entgegengesetzt zu dem, was sie sollen. Das wird auf jeden Fall passieren, wenn sich der Reiter auf das Pferd begibt. Wir müssen uns also vorher klar machen, wie wir dagegen angehen können ohne das Pferd in seiner Haltung zu fixieren und es zu zwingen. Das würde dann die Anlehnungsfehler provozieren.
Wir müssen die Muskeln also geschmeidig machen, damit wir von Beginn an dem Hohl machen entgegenwirken können. Die Muskeln des Halses sind für das Heben (obere Muskeln), das Runterziehen (untere Muskeln) sowie das Biegen von Kopf und Hals zuständig. Je nachdem an welchem seiner Enden oder beiden Enden der Muskel festgestellt wird. Der Muskel kann aber nur eine Funktion zur Zeit ausführen.
Durch das Biegen des Halses erreichen wir jeweils ein Dehnen der Muskeln auf der äußeren Seite und ein Anspannen auf der inneren Seite. So machen wir das Pferd seitlich beweglich. Durch die ausgelöste Biegung später unter dem Reiter muss das Pferd seine untere Halsmuskulatur aus der Verspannung lösen und positiv anspannen sowie die obere dehnen. Zusätzlich habe ich ja schon erwähnt, dass Biegung in tieferer Position einfacher ist. Das nutzen wir dann um daraus eine gedehnte Position zu erarbeiten. Die Verbindung über die Muskelketten läßt die Biegung, soweit anatomisch möglich, über die gesamte Längsachse des Pferdes gehen.
Das Spielen mit dem Gebiss sorgt durch die Muskelansätze von vielen unteren Halsmuskeln z.B. am Unterkiefer  für eine Bewegung des Unterkiefers. Dadurch ergibt sich gleichzeitig eine Bewegung in diesen Muskeln. Das verhindert zusätzlich ein Verspannen der ventralen Muskelkette, aktiviert diese aber. So ist das Pferd in der Lage, seinen hohl gemachten Rücken wieder aufzuwölben.
Dadurch, dass die Zunge sich locker im Maul bewegt oder ohne Anspannung im Maul ruht, ist auch das Zungenbein nicht verkantet. Am Zungenbein setzen viele Muskeln an, die u.a. zum Brustbein des Pferdes führen. Das Brustbein ist das eine Ende des Brustkorbes und somit für die ersten Brustwirbel. Ziehen hier die Muskeln unnatürlich, dann senkt sich der Brustkorb ab und damit auch die ersten Brustwirbel. Das wiederum sorgt für durch seine muskuläre Verbindung (Schultergürtel) zum Rücken für ein Absenken. Da wir die Zunge aber locker halten und nicht im Maul rumziehen, passiert das nicht. Ich werde noch einen detaillierten Bericht zum Thema Schultergürtel machen. Da könnt ihr dann genau nachlesen.

Nächste Schritte
Foto: privat
leichte Biegung in etwas höherer Position
Wenn diese Übungen im Stand gut funktionieren, dann könnt ihr sie auch in der Bewegung an der Hand ausführen. Dazu werden die Positionen von äußerem und inneren Zügel aber getauscht und ihr biegt das Pferd zu euch hin. Die Hand am Trensenring hat dann den inneren, die an der Schulter den äußeren Zügel. So könnt ihr euch auf dem Platz in geraden und gebogenen Linien bewegen. Geht aber auch da vom einfachen zum schweren vor. Eine gute Abfolge ist immer Volten und danach geradeaus am Hufschlag entlang zu kombinieren. Das könnt ihr dann auch in den ersten Einheiten unter dem Sattel so machen. Das kennt das Pferd dann bereits und es fürchtet sich nicht.
Foto: privat
An der Hand in Dehnung


Wenn ihr das Pferd reiten wollt, dann gewöhnt ihr es ja erst so an den Reiter und laßt es von einem Helfer führen. Dabei könnt ihr dann sanft die Zügel aufnehmen und den Kontakt aus der ersten Basisübung aufnehmen. Wenn es dann irgendwann ohne Helfer geht, müßt ihr vorweg noch die Biegung von oben in eure Erläuterung der Hilfen einbauen. Das macht ihr entsprechend zuerst im Halten. Das Pferd kennt diese Übung vom Boden. Wenn das klappt, macht ihr im Schritt mit den Volten und dem Geradeaus weiter. Die Genickbeugung kontrolliert ihr vom ersten Moment schon sanft über den äußeren Zügel. Mit der Zeit könnt ihr sie mehr fordern. Kommt das Pferd nach oben raus und über den Zügel, dann korrigiert ihr es über diese Biegung. Dann später auch auf anderen Linien arbeiten und die anderen Gangarten dazunehmen.
So erarbeitet ihr euch eine korrekte Anlehnung und Beizäumung bei einem jungen Pferd. Ihr sorgt für euer behutsames Vorgehen auch für Vertrauen und Entspannung. Auf diesem Weg habe ich schon viele junge Pferde ausgebildet. Bisher gab es da keine Probleme. Bei einem Korrekturpferd geht ihr am Boden auch erst einmal so vor. Dazu kommen dann noch andere Maßnahmen um das Problem zu beheben.

Foto: privat
korrekte Anlehnung und Beizäumung in Selbsthaltung
Schlußfolgerung
Man muss sich darüber im klaren sein, dass ein junges Pferd für die Entwicklung der Muskulatur und dem Verstehen der Hilfen Zeit braucht. Neben diesem Faktor ist noch ein anderer sehr wichtig, den viele Reiter nicht haben. Das ist die Geduld! Es hilft in der Ausbildung des Pferdes nicht, mit irgendwelchen Zwangsmitteln das Pferd in eine Haltung zu pressen. Ich habe in anderen Beiträgen bereits erläutert, dass die Kopfgelenksmuskeln nicht für statisch haltende Arbeit geschaffen ist. Genau das fordern wir aber, wenn wir mit Hilfszügeln arbeiten. Nichts ist so beweglich wie die direkte Einwirkung über den Reiter. Sofern sie locker ausgeführt wird.
Um eine korrekte und verständliche Anlehnung zu erarbeiten, machen wir uns die Funktion der Muskeln zunutze. Über das Biegen des Pferdes können wir es geschmeidig machen und die Haltung korrigieren. Die Anlehnung wird mit fortschreitender Ausbildung verbessert und gefestigt. Je mehr das Pferd diese Anlehnung zwischen Maul und Reiterhand akzeptiert, desto mehr können wir die Beizäumung, das Beugen des Genicks, verlangen. Fehler in der Reaktion des Pferdes müssen auf jeden Fall sofort korrigiert werden. Jede Bewegung, die das Pferd macht, wird im Unterbewußtsein gespeichert. Damit auch die falschen Haltungen oder Reaktionen auf eine Aufforderung. Wird nichts korrigiert, ist es für das Pferd richtig. Aber warum sollten wir dem Pferd die Fehler erst erlauben? Denkt einmal darüber nach.
Es gibt sicherlich auch andere gute Wege, dem Pferd die Anlehnung und Beizäumung beizubringen. Dies ist mein Weg.

Freitag, 15. Februar 2013

Kurstermine

Ihr wollt mich einmal in der Praxis erleben? Hier sind die aktuellen Kurstermine, wo ihr als Zuschauer oder aktiver Reiter teilnehmen könnt:

20. und 21. April, Lindenhof, 04657 Narsdorf
08. und 09. Juni, Gestüt von Kameke, 24340 Friedensthal
22. und 23. Juni, Hof Immenknick, 29392 Wesendorf, hier gibt es auch Schulpferde
29. und 30. Juni Gut Hohenschwärz, 91322 Gräfenberg

Wer genaue Infos möchte, schickt bitte eine Email an:
ecuyer99@aol.com

Gerne sende ich euch auch ein Angebot über einen Kurs bei euch im Stall.

Foto: privat
Foto:privat
Foto:privat

Montag, 11. Februar 2013

Anlehnungsfehler und ihre Auswirkungen

In allen Sparten der Reiterei, dem Fahrsport und auch beim Voltigieren wird das Pferd in eine bestimmte Form der Beizäumung gebracht. Sei es allein über die Hilfen des Reiters oder, was besonders schlimm ist, mit irgendwelchen Hilfszügeln. Ich persönlich finde den Begriff Hilfszügel eher befremdlich wenn man betrachtet, wofür und wie lange er doch eingesetzt wird. Aber egal ob nun damit oder allein über die Hilfen: In dem Moment, wo der Mensch das Pferd in eine Haltung zwingt oder keine Haltung vorgibt, wird es für das Pferd meistens schädlich.

Ich möchte hier die verschiedenen Fehler in der Anlehnung und Beizäumung des Pferdes aufzeigen und die meiner Meinung nach gesundheitlichen Auswirkungen. Diese Auswirkungen werden sich negativ im Gangbild, in der allgemeinen Gesundheit und der Psyche des Pferdes spiegeln. Ich empfehle den Lesern noch einmal den Beitrag über das Nervensystem und die Muskelketten zu lesen. Besonders der Teil über den Sympathikus und Parasympathikus. Hier noch einmal eine kurze Wiederholung dazu:

Sympathikus
Sorgt für mehr Energie im Pferd. Meistens in negativer Form. Erhöht sich bei Stress. Sorgt für erhöhten Muskeltonus, schnellere Atmung, senkt Durchblutung.

Parasympathikus
Regelt die Ruhe im Pferd. Sorgt z.B. dafür, dass Blutgefäße erweitert werden, gleichmäßige Atmung, normale Grundspannung der Muskeln. Bei erhöhtem Sympathikus wird der Parasympathikus niedriger. Das ist, wenn es dauerhaft vorkommt, schlecht für die gesamte Gesundheit des Pferdes.

Die verschiedenen Anlehnungsprobleme

Nun zu den verschiedenen Anlehnungsfehlern, so wie sie mir bekannt sind und ich es als falsch empfinde. Kann sein, dass der eine oder andere von euch noch andere Beschreibungen kennt. In der Regel sind immer mehrere Probleme kombiniert z.B. hinter der Senkrechten und falscher Knick. In all diesen Haltungen sackt das Pferd zwischen den Schultern mit dem Rumpf ab. Diese Region nennt man Schultergürtel und ist die Verbindung der Vorderbeine an den Rumpf.

1. über dem Zügel
Beschreibung: Das Pferd kommt mit seiner Nasenlinie sehr weit vor die senkrechte Linie. Dabei hebt es häufig den Kopf und Hals zusätzlich an. Wenn der Reiter hier mit dem Zügel gegenhält knickt das Pferd oft nur falsch ab. Häufig kann man diesen Anlehnungsfehler auch mit einem langen und flachen Hals sehen, wenn der Reiter dem Pferd keine Zügelverbindung anbietet. Es also am hingegebenen und durchhängenden Zügel reitet.
Foto: privat
Haltung eines Pferdes, wenn es sich über dem Zügel befindet
Dabei ist der Zügelkontakt auch fester als auf dem Bild


2. gegen den Zügel
Beschreibung: Das Pferd versucht verstärkt die Verbindung zur Reiterhand aufzubauen. Es sucht entweder Halt, weil es sich nicht im Gleichgewicht befindet oder versucht dem Druck der Hand nach vorne auszuweichen. Auch hier kommt die Nasenlinie weiter vor die Senkrechte (über den Zügel). Der Kopf und Hals heben sich dabei entweder nach oben an oder werden eher lang.

Foto: privat
Pferd geht gegen den Zügel und drückt sich nach oben

3. hinter dem Zügel
Beschreibung: Das Pferd versucht der Verbindung zur Reiterhand nach hinten/rückwärts auszuweichen. Es hat Angst vor der Zügelverbindung. Der Zügel hängt dabei durch. Dabei kommt die Nasenlinie etwas hinter die Senkrechte. Dieser Fehler wird in der Regel durch zu starken Druck des Reiters oder durch scharfe Gebisse ausgelöst. Der Reiter hat dabei das trügerische Gefühl, dass sein Pferd ganz leicht in der Hand ist. Wenn er aber den Zügel verlängert, dann wird das Pferd nicht sofort dieser Aufforderung zum Dehnen folgen. Wenn es das nach einiger Zeit macht, dann bleibt es häufig im Genick zu stark gebeugt. Nimmt der Reiter den Zügel weiter auf, dann wird das Pferd den Kontakt immer weiter nach hinten/rückwärts ausweichen. Irgendwann beißt es sich dann in die Brust. Dieser Anlehnungsfehler kommt sehr häufig vor.

Foto: von privat zur Verfügung gestellt
Man kann den durchhängenden Zügel und die deutliche
Halskrümmung erkennen. Das Pferd ist hinter dem Zügel.

4. hinter der Senkrechten
Beschreibung: Das Pferd ist auch hier, wie der Name schon sagt, hinter der senkrechten Linie.Es kann aber immer noch Kontakt zum Reiter haben.

Foto: privat
Pferd ist hinter der Senkrechten


5. falscher Knick
Beschreibung: Normalerweise gehört das Genick als höchster Punkt in der Beizäumung. In diesem Fall knickt das Pferd auf Höhe von 2.-4. Halswirbel ab. Auch bei dieser Haltung ist das Pferd weit hinter der senkrechten Linie und meistens hinter dem Zügel.
Foto: privat
Der höchste Punkt ist nicht das Genick

6. eng im Hals
Beschreibung: Hier kann das Pferd noch an der senkrechten Linie sein. Der Fehler ist aber, dass es sich durch starken Druck des Reiters im Hals zusammenzieht. Pferde, die gegen den Zügel gehen und dann zum Nachgeben im Genick gezwungen werden, kommen gerne in diese Haltung. Das Pferd hält dabei die Verbindung gegen die Hand und kämpft.

Foto: privat
eng im Hals, hinter der Senkrechten, falscher Knick

Foto: privat
eng im Hals, hinter der Senkrechten, falscher Knick

Foto: privat
eng im Hals, hinter der Senkrechten, falscher Knick
hier ist ein deutliches Absinken des Übergang
Halswirbel- Brustwirbel-Schulter zu erkennen

7. LDR
Beschreibung: Eine offizielle Haltung, die das Pferd einnehmen darf. Für mich ist es aber ein Anlehnungsfehler, da das Pferd das Genick nicht mehr als höchsten Punkt hat und die Nasenlinie weit hinter der Senkrechten ist. Zusätzlich ist hier noch der psychische Aspekt mit zu betrachten. Das Pferd ist nicht mehr in der Lage seinen Weg nach vorne zu sehen. Diese Haltung darf nicht mit einer korrekten Dehnungshaltung verwechselt werden. Dabei hat das Pferd die Nase nämlich vorn!

Foto: privat
deutlich ist die Nasenlinie hinter der Senkrechten
Genick ist nicht mehr höchster Punkt

Foto: privat
Nasenlinie weit hinter der Senkrechten
Genick nicht mehr höchster Punkt
untere Halsmuskulatur stark angespannt


8. in die Brust gebissen
Beschreibung: Das ist die Haltung, die das Pferd einnimmt, wenn das hinter dem Zügel oder hinter die Senkrechte reiten auf die Spitze getrieben wird. Das Pferd berührt mit seinem Maul fast die Brust oder die Vorderbeine. Es könnte sich sozusagen selber in die Brust beißen. Diese Haltung wird durch äußerst grobe und brutale Einwirkung allein durch den Reiter verursacht.

Foto: privat

Foto: privat
 
Jetzt was anatomisches über die Kopfgelenke


Um zu verstehen, was bei der Genickbeugung in den Kopfgelenken vor sich geht, müssen wir uns die anatomische Umgebung dazu ansehen. Als Kopfgelenke werden das Gelenk zwischen dem Hinterhaupt und dem 1. Halswirbel (Atlas) und das Gelenk zwischen dem 1. und 2. Halswirbel (Axis) bezeichnet. Den Knochen vom Hinterhaupt könnt ihr gut zwischen den Ohren fühlen. Geht mit den Fingern dazwischen und wühlt euch etwas durch die Schopfhaare. Wenn ihr einen grobkantigen Knochen spürt, dann habt ihr den Hinterhauptknochen. Direkt daran schließt sich der Atlas an. Die Flügel vom Atlas lassen sich gut zwischen Ganaschen und hinter den Ohren als Bogen fühlen. Geht mit dem Zeigefinger unter den Ohren entlang in die Furche hinter den Ganaschen. Das ist übrigens auch die Ganaschenfreiheit. Wenn ihr euch an der Halsseite orientiert merkt ihr den Bogen der Atlasflügel. Die Flügel bilden den unteren Teil des Wirbels. Der 2. Halswirbel ist schon schwieriger zu ertasten, da er nicht mehr so auffällig geformt ist und mehr von Muskeln bedeckt ist.

Das Gelenk zwischen Hinterhaupt und Atlas, 1. Kopfgelenk, wird auch als "Ja" Gelenk bezeichnet. Das Pferd kann in diesem Gelenk überwiegend nur Beugen und Strecken. Also Kopf hoch und runter. Beim nächsten Gelenk, zwischen Atlas und Axis liegt das 2. Kopfgelenk, geht die Links- und Rechtsdrehung (Rotation) sehr gut. Es wird auch als "Nein" Gelenk bezeichnet. In diesem Gelenk findet dann die Stellung statt. Nicht, wie viele vermuten, im ersten Kopfgelenk.
Dicht um diese Knochen herum gibt es viele kurze Muskeln. Oberhalb der Knochen liegen die Muskeln, die zur Streckung der Gelenke zuständig sind. Weiter unterhalb liegen die Beuger der Gelenke. Zwischen den einzelnen Wirbeln und seitlich liegen auch viele Muskeln, die für die Bewegung der Gelenke zuständig sind. Beobachtet einmal ein Pferd beim Grasen oder wenn es nach einem Zweig angelt. Es vollführt dabei ganz viele klein Bewegungen in den Kopfgelenken. Genau dafür sind sie geschaffen.

Muskuläre Auswirkungen


Wenn die Nase weit vor der Senkrechten ist
Hier dreht sich die eigentliche Funktion der dorsalen und ventralen Muskelkette um. Die dorsale verkürzt sich und die ventrale dehnt sich. Dadurch wölbt das Pferd den Rücken nicht mehr auf, Dornfortsätze können sich annähern (Kissing Spines). Der Bauch hängt nach unten durch, die Muskeln verspannen sich durch die ungewohnte Haltung, das Becken wird nicht mehr nach hinten abgekippt. Die Hinterbeine fußen mehr nach hinten raus und nicht mehr zum Schwerpunkt. Die Muskeln der dorsalen Kette bilden sich zurück (atrophieren). Die der ventralen Kette bilden sich durch die starke Anspannung beim dehnen mehr aus (werden hyperton). Das werden wirkt wie "umgedreht. Durch diese Haltung kann es Probleme in den Gliedmaßen geben, weil auch diese Muskeln nicht mehr richtig arbeiten.
Foto: privat
Pferd wurde in hoher Aufrichtung und wenig
Verbindung geritten



Wenn die Nase hinter der Senkrechten ist, mit Widerstand bzw. wenn die Verbindung zur Hand noch gehalten wird

Die vielen kleinen Muskeln rund um die Kopfgelenke müssen eine statische Haltung gegen einen Widerstand einnehmen und sich dann verlängern. Man spricht hier von exzentrischer Muskelarbeit (siehe Beitrag Muskelsystem). Dazu sind diese Muskeln aber nicht gebaut. Sie bestehen aus einem hohen fleischigen Anteil und sind nicht stark sehnig durchsetzt. Damit können sie also keine große Kraft lange aufbringen. Sie ermüden schnell und verspannen dann. Schnell ist in dem Fall bereits nach wenigen Minuten.
Durch die Überdehnung des Halses, wird verstärkter Zug auf das Nacken-Rückenbandsystem ausgeführt. Das Pferd wird zum "Spannrückengänger". Das führt im hinteren Bereich der Lendenwirbel und des Kreuzbein zu einer starken Überdehnung. Durch die Befestigung des Rückenbandes und der Muskeln wird das Becken vorne nach unten gezogen. Dadurch fußen die Hinterbeine nicht mehr zum Schwerpunkt. Es kommt zu Blockierungen im Kreuzdarmbeingelenk. Das hintere Widerlager, das Kreuzbein, wird außer Funktion gesetzt. Der Rücken wölbt nicht mehr auf. Nun muss die ventrale Muskelkette mehr von unten stabilisieren. Das führt wiederum zur Ermüdung der Muskeln und somit zu Verspannungen. Gliedmaßenprobleme folgen. Durch den starken Zug auf das Rückenband kommt dieses hoch. Es ist praktisch wie ein straffes Seil gespannt. Der Reiter merkt dadurch nicht, dass der Rücken hängt. Lediglich an der Qualität der Gänge, die nicht mehr schwungvoll sind und kurz werden, kann der Reiter das merken. Dafür muss er aber auch auf so etwas achten!
Der Druck im Maul ist für das Pferd äußerst schmerzhaft, was wiederum von der Seite zu verspannten Muskeln führt. Auch hier ist Muskulatur zum Genick und auch zu den Vorderbeinen betroffen. Das führt zu Problemen im Gangbild.

Wenn die Nase hinter der Senkrechten ist und kein Kontakt besteht
Das Problem ist genauso schlimm wie die anderen Probleme auch. Das Nackenband ist überdehnt. Dadurch, dass das Pferd sich rückwärts mit dem Kopf und Hals entzieht, wird die Spannung nicht mehr so stark auf den Rücken übertragen. Hier kommt es trotzdem zum Durchhängen der Wirbelsäule. Grund ist aber dafür die schlaffe und nicht vorhandene Spannung auf das Rückenband. Das Pferd wird zum "Schenkelgänger". Es bilden sich die gleichen Folgeprobleme wie im vorherigen Fall. Das Becken steht nicht korrekt, da das Kreuzbein nicht als Widerlager arbeiten kann. Die Hinterbeine fußen eher nach hinten raus. Die ventrale Muskelkette überarbeitet sich wieder und verspannt. Besonders im Hals verspannen sich diese Pferde stark. Probleme in den Gliedmaße, Abbau der Rückenmuskulatur folgen.

Schlussfolgerung:
Es ist äußerst bedeutend und wichtig, dass man dem Pferd die korrekte Haltung vorgibt und systematisch über das Training aufbaut. Dabei darf nicht über Zwang und Kraft gearbeitet werden, da das wieder zu falscher Muskelarbeit führt. Falsche Muskelarbeit führt nicht zum Aufbau der Muskeln sondern zu Abbau.
Die Muskeln des Pferdes brauchen mehre Wochen, bis man ein erstes Ergebnis im Training sieht. Bis zu einem guten und ausreichenden Muskelzuwachs braucht es viele Monate und Jahre.Vorausgesetzt ist immer das richtige Training. Werden über längere Zeit Fehler gemacht und das Pferd hat durch falsches Training eine schlechte Muskulatur entwickelt, dann muss der Reiter noch mehr Zeit und richtiges Training anwenden. Durch alle diese Anlehnungsprobleme kann es zu vielen Blockierungen im gesamten Pferdekörper kommen. Alle führen auf Dauer zu Schmerzen, die jedes Pferd unterschiedlich zeigt. Stress im Training und Schmerzen erhöhen wiederum den Sympathikus. Dadurch verstärken sich die negativen Auswirkungen weiter und der Teufelskreis beginnt. Die gesundheitlichen Auswirkungen wie z.B. Verknöcherungen und Entzündungen können schon nach sehr kurzer Zeit beginnen.

Demnächst

Freut euch auf die nächsten Berichte zu den Themen:

"Anlehnungsfehler und ihre Auswirkungen" Hier werde ich die verschiedenen Probleme der Anlehnung mal genauer unter die Lupe nehmen und auf die muskulären Probleme hinweisen.

"Wie stelle ich eine korrekte Anlehnung und Beizäumung her?" Tipps und Vorgehensweise bei jungen Pferden und Korrekturpferden.

"Schultergürtel" Die Verbindung der Vorderbeine zum Rumpf. Aufbau, Funktion und Probleme

Ich freue mich, wenn ihr wieder zum Lesen vorbeischaut. Gerne könnt ihr den Blog verlinken.

Liebe Grüße

Marion